Kategorien
Rheinland-Pfalz Saarland Strategien gegen den Flächenverbrauch

Sanieren nach Bedarf

Ein neuer Kindergarten wird häufig wenige Jahren nach der Ausweisung eines Einfamilien -Neubaugebiets gebraucht. Die Menschen, die dort bauen sind etwa gleich alt, ihre Kinder werden in ähnlichen Abständen geboren und entsprechend werden nach einigen Jahren erst mehr Kindergartenplätze, dann Schulklassen, später Parkplätze und Senioreneinrichtungen gebraucht. 

Diese Abfolge ist so häufig und kann fast jahrgenau vorausberechnet werden. Um wenigstens diese Folgeinvestitionen in den Ortskernen zu konzentrieren und dem Donuteffekt etwas entgegenzusetzen, haben einige pfiffige Architekt:innen Sanierungskonzepte für die Sanierung von Pfarrhaus zu Kindergarten, Stall zum Kindergarten und Kindergarten zum Seniorenwohnungen entwickelt und umgesetzt. Diese drei Beispiele sind am Tag der Architektur am 26. und 28. Juni 2021 zu sehen, können aber auch später noch online unter www.diearchitekten.org mit vielen weiteren Beispielen zu Sanierungen und Neubauten angeschaut werden.

Barockes Pfarrhaus zur Kindertagesstätte

Im rheinland-pfälzischen Nittel, direkt an der Grenze zu Luxemburg an der Obermosel, gibt es dringenden Bedarf nach Kindergartenplätzen. Zwei Kindergartengruppen und ein Mehrzweckraum sollen den bestehenden katholischen Kindergarten vergrößern. Zu diesem Zweck baute die Gemeinde Nittel das denkmalgeschützte, barocke Pfarrhaus aus dem Jahr 1755 um. Besonders herausfordernd war laut Architektin Vanessa Neukirch der besondere Manssarddachstuhl, der nun als Turn- und Mehrzweckraum für den Kindergarten dient und der vollkommen ohne Stahlkonstruktion auskommt. 

Turn- und Mehrzweckraum unter dem denkmalgeschützten Dach der Kindertageststätte, Fotos: Foto: Patty Neu, Consdorf – Luxemburg

Bis zum 11.Juli gibt es hier ein Video zum Projekt anlässlich des Architekturtags 2021

Stall zur Kindertagesstätte

Im Zuge der Auflösung französischer Kasernen im Südpfälzischen Landau verloren auch die Ställe für die Militärpferde ihre Bestimmung. Diese waren Ende des 19.Jahrhunderts vom bayrischen Regiment gebaut  und vom französischen Militär, als Teil der Kaserne “Estienne et Foch”nach dem zweiten Weltkrieg übernommen worden. 

Da Landau als Schwarmstadt mit einer überdurchschnittlich junger Bevölkerung gilt, ist auch hier der Bedarf an Kindertagesstätten hoch. Auch der Rest der ehemaligen Kaserne wurde zum Wohnpark mit vereinzeltem Gewerbe umgewandelt. Allerdings überwiegend in Preiskategorien, die wenig Familien ins neue Viertel locken. Die angrenzende Südstadt galt als Problemviertel profitierte aber vom hochpreisigen Wohnpark in der Nachbarschaft durch einen Imagegewinn und städtebauliche Investitionen. Durch die zugezogenen Mittelstandsfamilien wandelte sich die Südstadt zum bunt gemischten Viertel mit zusätzlichem Kindergartenbedarf. Um den alten und neuen Bedarf an Kindergartenplätzen vor Ort zu decken wurden gleich drei neue Kindergärten eröffnet. Auch die in Sichtweite befindliche “Wilde 13” wurde im ehemaligen Kasernengelände untergebracht. Die etwas weiter entfernte Kindertagesstätte “Villa Mahla” in einer Gründerzeitvilla näher am Stadtkern.

Kita Ponyhof in Landau, Foto: Magdalena Bumb-Rübsam, Landau – Deutschland

Der Umbau des Ponyhofs besticht durch seine ursprünglich unpraktische Kubatur. Der flache, 60 Meter lange Bau ist zwar durch seine zweifarbigen Backsteine schön anzusehen, jedoch schwierig anderweitig zu nutzen. Aus der Not der aneinandergereihten Ställe hat man aber eine Tugend gemacht. Durch die Anordnung der vier neuen Gruppenräume nebeneinander erhielt jeder Gruppenraum einen eigenen Zugang zum neuen Außenbereich. So können die Kindergartenkinder direkt zu Wippferden oder Schaukel gelangen, ohne den Weg über andere Gruppenräume nehmen zu müssen. Die Kindern gelangen so  jederzeit nach draußen ohne schlafende oder konzentriert spielende Kinder zu stören. Durch den flachen, ebenerdigen Bau ist der Kindergarten außerdem weitgehend barrierefrei, was in anderen historischen Gebäuden oft ein Problem darstellt.

Video hier 

Vom Kindergarten zum Seniorenwohnheim

Im saarländischen St.Ingbert lag der Bedarf genau anders herum. Kindergärten gab es genug, es mangelt jedoch an seniorengerechten Wohnungen. Der ehemalige Kindergarten St. Michael wurde nach 42 Jahren Nutzung aufgegeben und zu seniorengerechten Wohnungen umgebaut. Besonders die großen Waschräume sind ideal für seniorengerechte Badezimmer, die hohe Deckenhöhe gibt den Wohnungen viel Licht und Luft. Der ebenerdige Zugang zum Haus und Garten ermöglicht auch Senioren den barrierearmen Weg nach draußen und die großen Fensterflächen ermöglichen frische Luft und einen Blick nach draußen auch vom Sessel oder Bett aus.

Das Gebäude hatte nach Aufgabe des Kindergartens jahrelang leer gestanden. Die gemeinnützige Günter-Dörr Stiftung kaufte das Haus und ließ es zu insgesamt fünf altersgerechten Seniorenwohnungen und einer Gastwohnung für Betreuung und Besuch umbauen. Das Besondere: Stiftungszweck der Stiftung ist eigentlich die Förderung junger Menschen und deren verantwortungsbewussten Umgang mit Geld. Um die benötigten Gelder zusätzlich zum Stiftungsvermögen zu erwirtschaften, investiert man in seniorengerechtes Wohnen. 

Bilder zum Projekt hier und hier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.