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Versalzene Suppe

Kali ist neben Phosphat und Stickstoff der Hauptbestandteil von Dünger. Er sorgt für eine gute Nährstoffversorgung  der Pflanzen und macht sie resistenter gegen Trockenschäden. Im Boden ist er natürlich vorhanden. Allerdings ist er in manchen Gegenden nach dreißigjähriger landwirtschaftlicher Nutzung aufgebraucht. In Deutschland wird er vor allem von K+S  in Hessen, Thüringen, Niedersachsen und  Sachsen-Anhalt abgebaut. Alte Tagebaue gibt es in  Nordrhein-Westfalen, Bremen und Baden-Württemberg.

Rund um den “Monte Kali” an der hessisch-thüringischen Grenze tobt schon seit Jahrzehnten ein Streit um die Folgen des Kaliabbaus. So sind seit 1976 über 236 Millionen Tonnen Salz als Abraumhalden aufgeschüttet worden. Solange der Betrieb im Kaliwerk Wintershall läuft, wächst der „Monte Kali“ stündlich um 1.000 Tonnen bzw. Tag für Tag um etwa 24.000 Tonnen an. 

Um Kali zu gewinnen muss das Salz von dem weniger wertvollen Koch(Stein)salz getrennt werden. Dieser wird entweder aufgetürmt, als salziges Abwasser in den Untergrund verpresst oder in die Werra eingeleitet. 

Abwasser-Einleitestelle der Kaliabbau-Werke Philippsthal und Neuhof-Ellers (Foto: Niko Martin/thegood.media)
Abwasser-Einleitestelle der Kaliabbau-Werke Philippsthal und Neuhof-Ellers (Foto: Niko Martin/thegood.media)

Salziges Wasser

Über große Strecken hatte die Werra etwa einen Salzgehalt wie die Ostsee. Und hat Deutschland eine Vertragsverletzungsverfahren der EU wegen Verstoß gegen die Wasserrahmenrichtlinie zur Sicherung des guten ökologischen und chemischen Zustands von Gewässern eingehandelt. Die Entsorgung der zehn verschiedenen salzhaltigen Abwässer, die von den Halden und aus den Prozessen der Kalidüngerproduktion im Werragebiet stammen, erfolgt heute in einer Gesamtmenge von etwa 7 Mio. m3 je hälftig durch Verpressung (Versenkung) in tiefe geologische Schichten (Plattendolomit) und durch Einleitung in die Werra, die dann in der Weser aufgeht, fasst das Umweltbundesamt zusammen. 

Durch die großen Salzvorkommen ist das Grundwasser im Kaliabbaugebiete bereits von Natur aus salziger als der Durchschnitt.  Durch die seit über hundert Jahren bestehende Einleitung von salzigen Abwässern steigt auch der Salzgehalt des Grundwassers und des daraus gewonnen Trinkwassers. In Thüringen übersteigen die gemessen Chloridwerte die für Trinkwasser erlaubte Menge um das 10fache. Drei Trinkwasserbrunnen mussten wegen Versalzung bereits geschlossen werden.

Ökologisch problematisch ist neben der Versalzung des Grundwassers vor allem die Versalzung der Oberflächengewässer, insbesondere der Werra. Versuche von Forschern der FU Berlin mit Fischen unter gleich salzigen Lebensbedingungen  zeigen sogar bei den als besonders robust geltenden Bärblingen Deformierungen an Kiemen und Flossen, Deformationen der Wirbelsäule, Ödeme und Veränderungen der Haut bei den Embryonen. Sie blieben in der Entwicklung zurück und konnten nicht schlüpfen, sofern sie überhaupt lebensfähig waren. Insekten wie Stein- und Köcherfliegen gehen deutlich zurück auch andere Tierarten können in dem zum Salzwasser verwandelten Süßwasser nicht mehr leben. 

geschädigte Werra mit Fischen (Foto: Niko Martin/thegood.media)
geschädigte Werra mit Fischen (Foto: Niko Martin/thegood.media)

Salziges Grundwasser führt zu salzigem  Boden

Allein in Niedersachsen sind Gebiete mit einer Gesamtfläche von 400 km2 von Grundwasserversalzungen durch Salzstöcke betroffen. Es liegt nahe, dass versalzene Böden, wie man sie sonst nur von Meer-Anrainern oder in den trockenen Regionen der Erde kennt, auch im Bereich der versalzenen Flüsse und Grundwässer entstehen können. Das Risiko besteht, warnen Wissenschaftler der Uni Landau.  Durch den fortschreitenden Klimawandel und die öfter und länger anhaltenden Dürreperioden fehlt der  Regen um die salzigen Grundwässer, die auch zur Beregnung von Feldern eingesetzt werden, zu verdünnen. Übrig bleibt eine salzige Kruste auf der Oberfläche und langsam immer salziger werdende Böden. Dass es langfristig wirtschaftlicher ist Gegenmaßnahmen gegen das Versalzen zu treffen, hat bereits 2014 die vereinte Nation festgestellt. Weltweit gehen täglich etwa 2.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche durch Versalzung verloren. Wie  groß das Problem in Deutschland ist, muss noch wissenschaftlich geklärt werden.

Alternativen

Spätestens 2021 soll die Versenkung von Salzabwässern in die Weser beendet werden, war die ursprüngliche Abmachung zwischen den Werra-Anreiner – Bundesländern, den Umweltverbänden, Anglervereinen und K+S. Der Salzplan schreibt  K+S die Speicherung des Salzes in den ausgeräumten Bergwerksschächten, die oberflächliche Abdeckung der Salzhalden beginnen, Zwischenspeicherung oder Abtransport der Abwässer und das Einstellen der Versenkung ab 2021 vor. Andernfalls droht die Produktionsdrosselung. Ähnliches ist bis 2027 für die Werra geplant. Aufgrund des vielversprechenden Plans hast die EU das Vertragsverletzungsverfahren eingestellt. 

Allerdings wurde nun bekannt, dass neue Einleitungsgenehmigungen für K+S von den Behörden  erteilt wurden, die den gesetzlich erlaubten Einleitewert deutlich überschreiten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz sorgt sich nun,  dass auch in Zukunft die Versalzung von Wasser und Boden noch lange nicht erledigt ist. Ein Jammer für Gewässer und Böden.

Werra in der Nähe der Abwassereinleitung Philippsthal (Foto: Niko Martin/thegood.media)
Werra in der Nähe der Abwassereinleitung Philippsthal (Foto: Niko Martin/thegood.media)

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