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Brandenburg

Gute Bauern braucht das Land

Eine der wichtigsten Ökosystemleistungen vitaler Böden ist die Fähigkeit Co2 zu speichern und Humus aufzubauen. Für beide Leistungen sind Bäuerinnen und Bauern von entscheidender Bedeutung. Kurz vor Weihnachten haben wir mit dem Landwirt Timo Ryll, vom Fläminger Genussland, ein spannendes Interview durchgeführt. Er betreibt mit seinem Bruder in Brandenburg, südlich von Berlin im sogenannten Niederen Fläming einen Bauernhof mit Hofverkauf und Onlineversand. Auf Instagram berichtet er sehr regelmäßig und ausführlich über seine regenerativen Anbaumethoden und den Erfolgen der regenerativen Landwirtschaft. Der nachhaltige Aufbau von fruchtbaren Böden ist das Hauptziel.

Timo Ryll, Foto: Eigene Aufnahme

Du bist Agrarwissenschaftler und zeigst auf Deinem Instaaccout viele spannende Versuche und Projekte zur Begrünung, Humuswirtschaft und zur regenerativen Landwirtschaft. Was hast Du schon alle ausprobiert?

Vieles, aber wir mussten auch Niederlagen einstecken. Angefangen haben wir 2013 mit einer Direktsaatmaschine, aber da haben wir den letzten Schritt, zuerst gemacht. Soll heißen, dass ich den herkömmlich bewirtschafteten Boden, einfach das Gesicht der Direktsaat aufgedrückt habe.

Das ging schief!

Aber man lernt die Jahre dazu und mittlerweile probieren wir vom Komposttee zum Ferment alles aus, wo wir der Meinung sind, das es unseren Böden zu Gute kommt.

Was ist Dein aktuelles Projekt?

Da gibt es mehrere, zurzeit erprobe ich viel zu JADAM im kleinen Stil, um fit ins Frühjahr zu starten.

( Anmerkung: Jadam ist eine asiatische Methode zur Züchtung von Mikroorgansimen aus Laubstreu, lokalem Gemüse und Salz. Mit den zusätzlichen Mikroorganismen soll der Humusaufbau und die Vitalität von Ackerböden erhöht werden)

Im großen Stil stellen wir gerade Kompost her, in Zusammenarbeit mit der Kommunalen. Wir wollen den Kompost der bisher dort hergestellt wurde aufwerten, das machen wir mit Ferment, Gesteinsmehl und Pflanzenkohle.

Du machst verschiedene Versuche zur Bodenbearbeitung und Pflege und zeigst das immer sehr anschaulich an den Wuchsformen und Wurzelausbildungen deiner Pflanzen. Was hast Du festgestellt?

Der Boden braucht seine Zeit bis sein Nährstoffverhältnis ausgeglichen ist, das Bedarf jedoch zuerst Bodenuntersuchungen nach Albrecht. Folgt man den Anweisungen, dann sollte der Boden in den folgenden 2 Vegetationsperioden im Optimum sein.

Vergleich von Rapspflanzen auf konventionellen und regenerativ bewirtschafteten Böden, Foto: Tino Ryll

Du bloggst auf Instagram intensiv zu nachhaltiger Landwirtschaft, warum ?

Weil mich das Thema brennend interessiert und ich gern experimentiere. Des Weiteren muss ein Umdenken stattfinden, denn wir haben es in der Hand CO2 zu speichern und dafür bedarf es Werkzeuge für uns Bauern, die erprobt werden müssen. Wenn wir es nicht selbst in die Hand nehmen, dann kommen wir nicht zügig voran und auf die Politik zu warten geht viel zu langsam, weil Agrarforschung nicht viel Beachtung findet.

Persönlich noch einmal ein Statement zu mir: Manchmal möchte ich alle Flächen auf einmal mit den neuen Erkenntnissen behandeln, aber da muss ich mich bremsen falls mal was schief geht wäre das ein finanzieller Einschnitt, was schlecht oder schwer zu kompensieren ist. Daher die Devise: Erst einmal alles im kleinen Maßstab testen.

Zwischen Naturschutz und Landwirtschaft gibt es viele Konflikte, warum ist das so ?

Weil die Zeit sich wandelt. Das Klimaproblem ist mittlerweile in aller Munde und auch für jeden spürbar. Man erwartet von uns Landwirten, dass wir als größter Flächenbesitzer für Kulturanbau weltweit uns mit dafür einsetzen und das will die Gesellschaft am liebsten ohne PSM und Dünger.

Das geht aber nicht von heute auf morgen, da viele Bauern die regenerative Landwirtschaft noch nicht kennen. Daher die ganze Bloggeschichte auch auf Insta. Bauern müssen wissen, dass es doch noch andere Wege gibt. Das ganze Thema reg.LW ist ja sehr frisch und erlebt gerade einen Hype. Das freut mich und unsere Aufgabe (Bauern, die das intensiv betreiben) ist es mit diesen Bauern zu kommunizieren für denen es neu ist, um Ihnen das Thema näher bringen.

Und warum seid ihr nicht bio ?

Weil ich den Schritt von konventionell auf bio, ohne die reg LW zu hart finde. Ich möchte alles erst im konventionellen probieren, klappt dies dann  ist bio eine Option bzw ein muss. Als backup kannst du immer noch, wenn einige Werkzeuge der reg LW nicht funktionieren zum chemischen Pflanzenschutz greifen. Aber das nebenbei, auch hier konnten wir 60 % durch die reg. Maßnahmen einsparen.

Willst Du zum Abschluss noch etwas sagen ?

Ich bedanke mich für euer/dein Interesse und würde mich freuen wenn ihr das Prinzip der reg LW verbreitet, weil wir haben nur einen Planeten und der gehört zu schützen und die LW kann einen Teil dazu beitragen.

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